2011년 10월 20일 목요일

Qarqar und Schlacht von Qarqar


Qarqar (heute Tell Qarqur, Karkar) ist eine antike Stadt am Nahr al-Asi in Syrien im Territorium von Hamath. Sie war ein Zentrum der Verehrung des Wettergottes Hadad.

Inhaltsverzeichnis
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  • 1 Schlacht von Qarqar
    • 1.1 5. Feldzug des Assurnasirpal
    • 1.2 Sargon II.
  • 2 Archäologie
  • 3 Siehe auch
  • 4 Anmerkungen und Belege
  • 5 Literatur
  • 6 Weblinks
Schlacht von Qarqar [Bearbeiten]

Hier fand 853 v. Chr. eine Schlacht zwischen dem assyrischen König Salmanassar III. und einer Koalition von zwölf Staaten statt. Sie wird auf der Kurkh-Stele beschrieben, die 1861 in der Türkei gefunden wurde und sich inzwischen im British Museum befindet. Sie stand wahrscheinlich ursprünglich an einer Straße, war also eine Art öffentlicher Propaganda. Im oberen Bereich zeigt sie Salmanasser den Symbolen der Götter Assur, Ischtar, Anu und Sin, darunter befinden sich 102 Zeilen einer Inschrift, die geringfügig beschädigt ist.
Danach verließ Salmanasser auf seinem sechsten Feldzug mit einer Armee von 100.000 Mann Niniveh, überquerte den Tigris, den Euphratund empfing den Tribut zahlreicher Städte, darunter Aleppo. Danach wurde er von den Truppen des Königs von Hamath angegriffen, die er schlug. Dann plünderte er zahlreiche Paläste und Städte im Reich von Hamath. Nachdem Salmanasser Karkara eingenommen und geplündert hatte, stieß er am Orontes auf die Streitmacht der Koalition.

An der anti-assyrischen Allianz waren beteiligt:[1]
    1. König Adad-'idri (Hadad-ʿEzer) von Aram-Damaskus mit 1200 Streitwagen, 1200 Kavalleristen und 20.000 Fußsoldaten
    2. König Irḥuleni von Hamath mit 700 Streitwagen, 700 Reitern und 10.000 Fußsoldaten
    3. König Achabbu von Israel mit 2000 Streitwagen und 10.000 Fußsoldaten
    4. 500 Soldaten aus Gubla
    5. 1000 Soldaten aus dem Land Muzra'a (Ägypten)
    6. Der König von Arqa mit 10 Streitwagen und 10.000 Soldaten
    7. König Matinu-ba'li von Arwad mit 200 Soldaten
    8. Der König von Usnu mit 200 Soldaten
    9. König Adunu-ba'li von Siannu mit 30 Streitwagen und 10.000 Soldaten
    10. Gindibu von Arabien mit 1.000 Kamelen
    11. Ba'asa, Sohn aus dem Haus Rehob, König der Amana (Amanusgebirge) mit … [Lücke] 00 (x-hundert) Soldaten
    12. [...nicht lesbar...]
Die Zahl der Streitwagen, die Ahab stellte, ist sehr hoch, und viele Forscher halten sie für unrealistisch. N. Na'aman nimmt an, dass es sich um einen Schreibfehler handelt und lediglich 200 Streitwagen gemeint sind. Kelle (2002) erwägt, dass es sich um die vereinigte Streitmacht des Nord- und Südreiches sowie von Moab und Edom handeln könne.
Die Kurkh-Stele beschreibt einen großen assyrischer Sieg, angeblich wurden 14.000 Mann erschlagen und zahllose Streitwagen erbeutet. Da der assyrische Vormarsch aber nach der Schlacht zum Erliegen kam und Salmanasser auch in den folgenden zwei Jahren nicht nach Westen zog, ist eher von einer Niederlage auszugehen.
In der Bibel (1. Buch der Könige) wird die Schlacht von Karkara erstaunlicherweise nicht erwähnt.

5. Feldzug des Assurnasirpal [Bearbeiten]
Kurh/Kurkh in der Osttürkei ist vielleicht mit dem assyrischen Tidu identisch (Kessler 1980). Außer der Stele Salmanassers wurde hier auch eine Stele vom 5. Feldzug des Assurnasirpal II. gefunden. Sie wird in keiner seiner erhaltenen Inschriften erwähnt.

Sargon II. [Bearbeiten]

Gegen Ende des 8. Jahrhundert v. Chr. schlug Sargon II. bei Qarqar eine Koalition syrischer Stämme, in deren Gefolge er das rebellischeDamaskus wieder unter assyrische Herrschaft bringen konnte.

Archäologie [Bearbeiten]

Tell Qarquar wird zur Zeit durch die American School of Oriental Research (ASOR) unter Leitung von Rudolph Dornemann ausgegraben. Die eisenzeitliche Stadt weist massive Befestigungen und Stadttore auf. Darunter wurden bronzezeitliche Schichten angeschnitten.

Siehe auch [Bearbeiten]
  • Liste der Kriege und Schlachten im Altertum
Anmerkungen und Belege [Bearbeiten]
  1. ↑ Kurt Galling: Textbuch zur Geschichte Israels (TGI), Mohr, Tübingen 1979, S. 50.
Literatur [Bearbeiten]
  • J. Börker-Klähn: Altvorderasiatische Bildstelen und vergleichbare Felsreliefs. Zabern, Mainz 1982. ISBN 3-8053-0474-9
  • Kurt Galling: Textbuch zur Geschichte Israels (TGI), Mohr, Tübingen 1979, ISBN 3-16-142361-5
  • William W. Hallo: From Qarqar to Carchemish. Assyria and Israel in the light of new discoveries. American Schools of Oriental Research, New Haven Con 1960; auch in: The Biblical Archaeologist (BA). Philadelphia 23.1960, Nr. 2 (May), S.33-61. ISSN 0006-0895
  • Brad E. Kelle: What's in a Name? Neo-Assyrian designations for the Northern Kingdom and their implications for Israelite history and Biblical interpretation. in: Journal of Biblical Literature. Atlanta 121.2002,4, 639-666. ISSN 0021-9231
  • Julian E. Reade, Sargon's Campaigns of 720, 716, and 715 B. C.: Evidence from the Sculptures
Journal of Near Eastern Studies 35/2, 1976,95-104.
  • Sidney Smith: Assyrian sculptures in the British Museum, from Shalmaneser III to Sennacherib. British Museum, London 1938.
Weblinks [Bearbeiten]
  • Qarqar (engl.)
  • Fachartikel zur Schlacht von Qarqar in: Michaela Bauks, Klaus Koenen (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet(WiBiLex), 2007ff.

2011년 10월 19일 수요일

Ahab (König von Israel, 871-852 v. Chr.)


Ahab (König von Israel, 871-852 v. Chr.)
                                                                                                                                    Thomas Wagner
                                                                                                             (letzte Änderung: Jan. 2007)
  • 1. Das Ahab-Bild des Deuteronomistischen Geschichtswerks
    • 1.1. Das deuteronomistische Urteil über Ahab
    • 1.2. Ahabs Familie
    • 1.3. Das Verhältnis zwischen Ahab und Elia
    • 1.4. Ahabs Verhältnis zu kanaanäischen Kulten
  • 2. Außerbiblische Notizen über Ahab
    • 2.1. Die Annalen Salmanassars III.
    • 2.2. Die Mescha-Inschrift
  • 3. Archäologische Zeugnisse
  • 4. Historische Evidenz
  • Literaturverzeichnis
    • 1. Lexikonartikel
    • 2. Weitere Literatur
  • Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Jahwe erweist sich vor Ahab als wahrer Gott (1Kön 18; Holbein; 16. Jh.).

Ahab regierte von 871-852 v. Chr. als König über das Nord-Reichs Israel. Er war der Sohn und Nachfolger des Dynastiegründers → Omri. Die Regierungszeit Ahabs ist vor allem durch wirtschaftlichen Aufschwung, hohe Bautätigkeit und die Integration Israels in die syro-palästinische Staatenwelt gekennzeichnet. Sein Hauptkritiker war der Prophet Elia, der sich vor allem gegen Ahabs Religionspolitik wandte. Die Erzählungen in 1Kön 17f. sind jedoch deutlich deuteronomistisch geprägt (→ Deuteronomismus), so dass sie für ein historisches Urteil über Ahab nur bedingt verwendbar sind.

1. Das Ahab-Bild des Deuteronomistischen Geschichtswerks
1.1. Das deuteronomistische Urteil über Ahab

Das Ahab-Bild des → Deuteronomistischen Geschichtswerks ist vielschichtig und teilweise auch widersprüchlich. Historische Fakten wurden mit verschiedenen Überlieferungen kombiniert, die zum Teil traditionelle Motive aufnehmen. Diese haben vor allem theologische Gründe und geben nur bedingt Auskunft über die historische Person.
Die theologische Prägung des Ahab-Bilds im Deuteronomistischen Geschichtswerk fällt schon bei der Beurteilung des Königs durch den Deuteronomisten auf. 1Kön 16,29-22,40, der Abschnitt des Deuteronomistischen Geschichtswerks, in dem von Ahab berichtet wird, steht ganz unter dem Aspekt der Kultpolitik. In der Beurteilung Ahabs in1Kön 16,29-33 wird seine Herrschaft als sehr schlecht dargestellt („er tat, was Jhwh missfiel, mehr als alle, die vor ihm waren“), da er die von → Jerobeam I. installierten Jahwe-Kulte in → Dan und → Bethel weiter betrieb, eine phönizisch-stämmige Frau heiratete und in seinem Herrschaftsgebiet neben dem Jahwe-Kult auch kanaanäische Kulte durch Ausstattung von Heiligtümern förderte.

1.2. Ahabs Familie

Mit der von Ahabs Vater Omri begründeten Dynastie konnte sich im Nordreich → Israel erstmals eine über mehr als zwei Generationen andauernde dynastische Linie etablieren. Ahabs Nachfolger wurde sein Sohn → Ahasja (652-851 v. Chr.). Da er ohne Sohn starb (2Kön 1,17), kam mit → Joram ein zweiter Sohn Ahabs auf den Thron (851-846 v. Chr.). Danach wurde der Dynastie durch den gewaltsamen Putsch → Jehus (846-818 v. Chr.) ein Ende bereitet. Verheiratet war Ahab mit → Isebel, der Tochter des Herrschers eines benachbarten phönizischen Fürstenhauses. Außer den beiden genannten Söhnen ging aus dieser Ehe die Tochter → Atalja hervor.
Die genaue Herkunft Isebels, der Frau Ahabs, ist in der Forschung umstritten. Während 1Kön 16,31 Isebel als „Tochter Etbaals, des Königs der Sidonier“ bezeichnet (so auch LXX), stellt Josephus sie als Tochter Etbaals, des Königs von → Tyrus und → Sidon vor (Antiquitates Iudaicae VIII, 316ff. und IX, 138;Text gr. und lat. Autoren). Auf jeden Fall ist sie phönizischer Herkunft. 1Kön 16f. bringt sie mit der Verehrung → Baals in Verbindung. Bei ihm handelt es sich zwar nicht um den Hauptgott der Phönizier, doch um eine bei ihnen hoch verehrte Gottheit. Zudem ist der Name von Isebels Vater Baal-haltig, was von der hohen Bedeutung dieses Gottes für ihr Vaterhaus zeugt.
Im Blick auf Ahab berichtet das Deuteronomistischen Geschichtswerk zwar, dass er fremde Kulte in Israel errichtet hat, doch zeigen die Namen seiner drei Kinder deutlich, dass er Jahwe weiterhin als wichtigste Gottheit verehrte. Allein seine Frau Isebel (אִיזֶבֶל) trägt einen Namen, der mit זבלein Epitheton aufweist, das im Zusammenhang mit Baal überliefert wird (vgl. KTU 1.2:I:38.43; 1.2:IV:8; 1.3:I:3; 1.5:VI:10; 1.6:I:42; 1.6:III:1.3.9.21; 1.6:IV:5.16; 1.22:I:10; 2Kön 1,2f.6.16; Josephus, Antiqitates Iudaicae IX, 19 [Text gr. und lat. Autoren]; Mt 10,25; Mt 12,24.27; Mk 3,22; Lk 11,15.18f.).
Die seit der → Reichsteilung 926 v. Chr. bestehende Spannung zwischen Israel und Juda wichen in der Zeit Ahabs einem freundschaftlichem Verhältnis. Die Hochzeit seiner Tochter Atalja mit dem judäischen Thronfolger Joram (2Kön 8,26) dokumentiert die politische Annäherung. Es scheint aber, dass das Verhältnis von Israel dominiert wurde. Davon zeugen die Waffenfolge, die Juda Israel im Konflikt mit den → Aramäern (→ Aramäerkriege) erweist und die von → Joschafat von Juda in diesem Zusammenhang verwendete Formel in 1Kön 22,4b („Ich will sein wie du, und mein Volk wie dein Volk, und meine Rosse wie deine Rosse.“).

1.3. Das Verhältnis zwischen Ahab und Elia

In die deuteronomistischen Berichte über Ahab sind die Elia-Überlieferungen integriert. Diese sind in einem langen Wachstums- und Traditionsprozess entstanden, in dem das Verhältnis zwischen Ahab und → Eliaunterschiedlich gesehen wurde.
In der deuteronomistischen Darstellung treffen Elia und Ahab erstmals in 1Kön 17,1 aufeinander. Die Ansage der kommenden Trockenzeit bleibt ohne Begründung, so dass als solche am ehesten die kultischen Verfehlungen Ahabs, die in 1Kön 16,29-33 aufgeführt werden, angenommen werden können. Die folgende Strafansage wendet sich dann zwar an den König, betrifft aber das gesamte Volk. Eine Reaktion Ahabs wird in diesem Zusammenhang jedoch nicht überliefert.

1Kön 18. Das Kapitel umfasst drei Szenen: 1Kön 18,1-14.15-19.20-46. In allen dreien wird Ahab namentlich genannt und als Herrscher beschrieben, der Elia verfolgt (Tötung der Jahwepropheten durch Isebel 1Kön 18,4). Doch im Gegensatz zur Erzählung von der Ermordung der Jahwepropheten kann Elia vor dem König auftreten, ihm seine Schuld ansagen und anschließend wieder gehen. Elia wird von Ahab beschuldigt, die Trockenzeit und die daraus resultierende Hungerkatastrophe hervorgerufen zu haben. Ahab nimmt Elia und sein Auftreten sogar so ernst, dass er seiner Aufforderung folgt, die Priester zu versammeln. Ziel des mit der Versammlung verbundenen Gotteserweises ist es für Ahab, herauszufinden, welcher Gott erzürnt ist, um diesen zu besänftigen, damit die Dürre ein Ende findet. Dass Ahab Elias Aufforderung folgt, deutet auf ein konfliktloses Verhältnis hin, wie es sich auch am Ende der Erzählung (1Kön 18,41-46) erkennen lässt: Nach dem Gotteserweis auf dem Karmel gehorcht Ahab den Anweisungen Elias.
Der Erzählung 1Kön 18 ist demnach zu entnehmen, dass nicht alle Elia-Tradenten einen dauerhaften Konflikt Ahabs mit Elia überlieferten, sondern zum Teil auch ein zeitweise positives Verhältnis zwischen Prophet und König voraussetzen (vgl. Timm, 1982, 66f.).

1Kön 19. Die Erzählung aus 1Kön 18 wird in 1Kön 19,1f. fortgesetzt, doch erscheint Ahab nicht mehr als Haupthandlungsträger. Hauptgegner Elias wird vielmehr Isebel, die dem Propheten droht, ihn umbringen zu lassen. Daraufhin ergreift Elia die Flucht zum Gottesberg Horeb. Der Übergang der Handlungsträgerschaft von Ahab auf Isebel entspricht der Notiz in 1Kön 18,4, Isebel habe die Jahwepropheten ermorden lassen. Sie wird als diejenige dargestellt, die den Baalskult fördert und diesen mit allen Mitteln durchsetzen will. Dieses wiederum entspricht nur bedingt der Beschreibung von Ahabs Herrschaft in 1Kön 16,29-33.

1Kön 20. Die Erzählung über die Kriege mit → Ben-Hadad in 1Kön 20,1f. hat sich in der Forschung als sekundärer Zusatz zur Ahab-Überlieferung erwiesen, so dass dieses Kapitel hier nicht weiter besprochen wird. Der in diesem Kapitel auftretende „Gottesmann“ wird nicht namentlich benannt. Für eine Identifikation mit Elia im Rahmen der ursprünglich selbständigen Erzählung gibt es keine Anzeichen.



1Kön 21. Anders verhält es sich bei der Erzählung über → Nabots Weinberg in 1Kön 21,1ff. Diese wird als altes Traditionsstück der ursprünglichen Ahab-Tradition zugerechnet; hier tritt auch wieder Elia als Gegenüber des Königs auf. Als Ortslage für den Weinberg wird in 1Kön 21,1 → Jesreel angegeben. Die Kritik an Ahab zielt in diesem Text auf seine Willkür im Umgang mit einem Volksangehörigen. Die durch Justizmord erfolgte Inbesitznahme des Weinbergs führt schließlich zur Untergangsansage an das Haus Omri (1Kön 21,21-24). Ahab scheint, darauf verwies bereits 1Kön 18,41-46, zwei Residenzstädte unterhalten zu haben: → Samaria und Jesreel (zur religionsgeschichtlichen Stellung vgl. u. 1.4.).
Der Überblick über die einzelnen Erzählungen zeigt, dass das Verhältnis von Elia und Ahab gewisse Unterschiede aufweist. Während die ältere Elia-Tradition nicht in allen Erzählungen von einer Konfrontation Ahabs mit Elia ausgeht, hebt die spätere Ausweitung der Elia-Überlieferung diese hervor. Dabei tritt Isebel immer stärker als Gegenspielerin zu Elia in den Vordergrund der deuteronomistischen Darstellung.

1.4. Ahabs Verhältnis zu kanaanäischen Kulten

Stellt das deuteronomistische Urteil Ahab als den König vor, der die Kanaanäisierung Israels vorantrieb, finden sich in den Elia-Erzählungen nur in 1Kön 18 Hinweise darauf. Daher muss sich ein historisches Urteil auf diese wenigen Notizen stützen.
1Kön 16,29-33 nennt verschiedene kultische Maßnahmen Ahabs, die auf eine Förderung kanaanäischer Kulte deuten: Errichtung eines Baal-Tempels mit Altar und Aufstellung einer → Aschera-Statue in Samaria. Als Grund für diese Kultpolitik sieht der Deuteronomist die Hochzeit mit Isebel an, die eine Baalisierung bewirkte. Daneben wird am Ende der Ahab-Überlieferung in 1Kön 22,39 erwähnt, Ahab habe ein Elfenbeinhaus in Samaria errichtet. Dieses mit Elfenbeinschnitzereien versehene Haus stellt ein Novum in Israel dar. Sein Ursprung ist in der phönizischen Kultur zu suchen und deutet auf die guten Beziehungen hin, die Ahab zu den phönizischen Städten der Küstenebene unterhielt.
Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang das Gegenüber der beiden Residenzstädte Samaria und Jesreel. Die Existenz von zwei Königspalästen mit zugehörigen kultischen Zentren wurde in der Forschung häufig als eine bewusste Trennung des israelitischen Jahwekultes (Jesreel) und des kanaanäischen Baalkultes (Samaria) verstanden. Diese Trennung lässt sich jedoch nicht aufrechterhalten. Dass Ahab dem Jahwekult verpflichtet blieb, ist bereits an den Jahwe-haltigen Namen seiner Kinder zu erkennen. Des Weiteren wird nicht berichtet, Ahab habe das Jahweheiligtum in Samaria zugunsten eines Baal-Tempels aufgegeben. Auf die Existenz des in Hos 8,5erwähnten Stierbildes in Samaria (עגלך שׁמרון) gibt es keinen weiteren Hinweis. Vielmehr legt Hos 10,5 nahe, dass Samaria an dieser Stelle als Bezeichnung für das Nordreich verwendet wird (vgl. Wolff, 1961, 179-181). Dieses Stierbild wird – im Blick auf die Tempel in → Dan und → Bethel – nach deuteronomistischer Interpretation als ein jahwistisches Kultbild verstanden. Um das Gegenüber von Jesreel und Samaria erklären zu können, bleibt damit letztendlich nur eine saisonale Trennung zwischen einer Winter- und einer Sommerresidenz (vgl. Timm, 1982, 148). Derartige saisonale Trennungen sind nicht nur aus Ägypten und Mesopotamien, sondern auch aus dem westsemitischen Raum bekannt (zur Trennung von Sommer- und Winterresidenzen vgl. Am 3,15; Bauinschrift des Königs Barrakib von Samal, TUAT I, 630f.).
In der Erzählung 1Kön 18 finden sich mehrere Hinweise auf einen lebendigen Baalskult in Israel zur Zeit Ahabs. Es wird von einem Opferaltar auf dem Karmel berichtet, der sowohl für Elia, als auch für die Baalspriester als Kultstätte zugänglich war. Dass es einen aktiven Baalskult in Israel gab und dass dieser vom Königshaus unterstützt wurde, darauf weist die Anklage Elias in 1Kön 18,18 und die hohe Anzahl der Baals- und Ascherapriester hin, die vom Königshaus unterhalten wurden (1Kön 18,19).
Sowohl die deuteronomistischen Notizen, die Elia-Überlieferung als auch die außerbiblischen Belege zeigen Spuren einer kanaanäisch geprägten Verehrung Baals zur Regierungszeit Ahabs. Die Jahwe-haltigen Namen seiner Kinder weisen jedoch darauf hin, dass nicht Baal, sondern Jahwe als Dynastiegott und höchster Gott verehrt wurde. In dieselbe Richtung zielt auch die Elia-Überlieferung: Nicht die Existenz Baals, sondern seine Wirksamkeit und seine Macht werden bestritten.


2. Außerbiblische Notizen über Ahab

2.1. Die Annalen Salmanassars III.

In den Annalen → Salmanassars III. erscheint Ahab von Israel in einer Liste syro-palästinischer Könige, die sich dem nach Westen expandierenden assyrischen Heer in Qarqar am → Orontes entgegenstellten (→ Schlacht von Qarqar; dort auch Text der Annalen).
Die Annalen Salmanassars III. (TUAT I/4, 360-362; Grayson, RIMA III, 23f.) über seinen Syrienfeldzug im Jahr 853 v. Chr. sind in mehreren Fassungen überliefert. Die älteste bekannte Form bildet eine 1861 in Kurch gefundene Steleninschrift, die in die Lebenszeit Salmanassars III. datiert werden kann. Die Inschrift vermittelt dem Leser den Eindruck, Salmanassar III. habe die sich ihm bei Qarqar entgegenstellende Allianz von insgesamt neun Regionalfürsten besiegen können. Gegen seine Darstellung spricht jedoch, dass die Koalition erst 841 v. Chr. auseinanderbrach. Daher ist historisch eher ein Sieg der antiassyrischen Koalition anzunehmen.
Die Liste der neun syro-palästinischen Könige besteht aus zwei Teilen. In Z.90-92 werden drei Herrscher genannt, die das militärische Hauptpotential der antiassyrischen Koalition stellten. In den Z. 92-95 werden dann weitere sechs Herrscher genannt, die Soldaten und / oder Reittiere sowie Ausrüstung zur Verfügung stellten. Im ersten Teil der Liste erscheint → Hadadeser als Kopf der Koalition. Neben ihm tragen Irchuleni von Hamat und Ahab von Israel mit einem sehr großen Truppenkontingent zum Erfolg der Koalition bei. Ahab stellt von allen Verbündeten die größte Zahl an Streitwagen zur Verfügung, immerhin 2000; außerdem 10.000 Soldaten.
Mit der Teilnahme an der antiassyrischen Koalition bewies Ahab außenpolitisches Geschick, da er die Assyrergefahr früh genug erkannte, um sie zumindest für die Dauer seiner Regierungs- und Lebenszeit zu bannen. Da Ahab bzw. seine Nachfolger → Ahasja (852-851 v. Chr.) und → Joram (852-841 v. Chr.) in den assyrischen Inschriften der Feldzüge 849-845 v. Chr. nicht mehr erwähnt werden, liegt die Annahme nahe, Israel sei im Anschluss an diesen Erfolg aus der Koalition ausgetreten. Über die Gründe für sein Ausscheiden gibt es keine Nachrichten. Annehmbar wäre, dass er sich der anwachsenden Dominanz Damaskus’ nicht unterstellen wollte. Ebenfalls gibt es keine weiteren Notizen über Ahabs Verhältnis zur assyrischen Expansionspolitik.

2.2. Die Mescha-Inschrift

Neben den Annalen Salmanassars III. ist für die Regierungszeit Ahabs mit der Inschrift des moabitischen Königs → Mescha eine weitere nicht-biblische Quelle von Bedeutung.
Die 1868 entdeckte Basaltstele trägt eine in moabitischer Sprache verfasste Inschrift des Königs Mescha von Moab, die von der Besetzung Moabs durch das Haus Omri, die Besatzungszeit und die Befreiung Moabs unter König Mescha berichtet.
In Z. 4-8 wird über die Besetzung des nördlichen Teiles von Moab durch die Israeliten berichtet. Insgesamt dauerte die Oberherrschaft 40 Jahre, bis „Omri wieder nach Israel zurück gedrängt werden konnte“ (vgl. KAI II, 168f.). Ahab von Israel wird in der Stele nicht explizit erwähnt, doch zeigt die lange Dauer der Oberherrschaft Israels über Moab, dass diese zur Zeit Ahabs Fortbestand hatte. Nach 2Kön 1,1; 2Kön 3,5 fiel Moab nach dem Tode Ahabs von Israel ab.
Die Ausdehnung des Herrschaftsbereichs Ahabs in das südliche Ostjordanland passt mit der biblischen Erzählung über die versuchte Ausdehnung der omridischen Herrschaft nach 1Kön 22 im nördlichen Ostjordanland und die Einnahme von Ramot in Gilead überein. Erst unter Ahabs Nachfolger Ahasja gingen die ostjordanischen Gebiete wieder verloren.
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3. Archäologische Zeugnisse

Abb. 3 Karte Samaria und Jesreel.
Die archäologischen Zeugnisse können nur bedingt Auskunft über die Herrschaft Ahabs geben, da sich die Bauschichten nur schwierig einzelnen omridischen Herrschern zuweisen lassen. Von besonderer Bedeutung für die Darstellung der omridischen Zeit sind die Ausgrabungen in Samaria und Jesreel. Gemäß dem biblischen Bericht wurde die Stadt → Samaria von Omri gegründet und in den folgenden Jahren von ihm und seinen Nachfolgern ausgebaut.
 
Abb. 4 Mauer des Palastes von Samaria.
In den Jahren 1908-1910 wurden von der amerikanischen Harvard University unter der Leitung von G.A. Reisner und C.S. Fisher und in den Jahren 1931-1935 von britischen Institutionen, der Berliner Humbold Universität und der Harvard University in Samaria archäologische Grabungen durchgeführt, mit denen eine Besiedlung seit der Eisenzeit nachgewiesen werden konnte. Die eisenzeitliche Stadt bestand aus einer Akropolis (Oberstadt) und einer Unterstadt, die jeweils eigene Befestigungsanlagen aufweisen. Die Grabungen konzentrierten sich vor allem auf die Akropolis. Diese lässt sich in zwei Bereiche unterteilen, die jeweils einen eigenen Mauerzug aufweisen. Die äußere Mauer wird in der Forschung auf Omri zurückgeführt. Sie scheint als nicht ausreichend angesehen worden zu sein, so dass einer der Nachfolger Omris (Ahab, vgl. 1Kön 22,39 Ausbau der Städte) den Mauerbau erweiterte. Die innere Mauer erscheint bei weitem stabiler, so dass man bei ihr von einer Verbesserung der Verteidigungsanlagen sprechen kann.

Abb. 5 Elfenbeinschnitzereien zeugen von dem Wohlstand und dem phönizischen Einfluss in Samaria.
Insgesamt konnten bei den Grabungen sechs Keramikphasen und sechs Bauperioden für die Zeit von 876-722 v. Chr. nachgewiesen werden. Zur Besieldungphase aus der Zeit Omirs gehören der Palast und die Akropolismauer, zur nächstfolgenden Besiedlungsphase (Ahab) werden die Kasemattenmauer, die Speicher und evtl. das Osttor gerechnet. Die Bauten der folgenden Besiedlungsphase sind nur noch Erweiterungs- und Verbesserungsbauten. Tempelanlagen, wie sie die biblischen Berichte voraussetzen, wurden jedoch nicht gefunden.
Neben den Bauperioden und Keramikphasen ist eine Fundgruppe für die Regierungszeit Ahabs von besonderer Bedeutung: die Elfenbeinschnitzereien. Solche wurden in hoher Anzahl in der Oberstadt gefunden und dokumentieren sowohl den phönizischen Einfluss auf die Stadt, als auch den mit den Handelskontakten verbundenen Wohlstand. Einige dieser Schnitzereien gehören in die Zeit Ahabs, die meisten entstammen jedoch der Regierungszeit → Jerobeams II. (787-747 v. Chr.). Die motivische Gestaltung ist typisch phönizisch. D.h. es finden sich Motive aus unterschiedlichen Kulturkreisen, wobei ägyptisch geprägte Bilder dominieren.
Neben den Bauten in Samaria wurden auch in → Megiddo, → Hazor und → Bethel umfangreiche Bauten aus der 1. Hälfte des 9.Jh.s v. Chr. ausgegraben, die zu der in 1Kön 22,39 erwähnten Bautätigkeit Ahabs gerechnet werden.
Die archäologischen Ergebnisse deuten – wie auch schon die Erwähnung der hohen Truppenkontingente in den Annalen Salmanassars III. – auf einen wirtschaftlichen Aufschwung unter Omri und Ahab. Verbunden mit dem wirtschaftlichen Aufschwung war eine Öffnung nach außen, die sich in der archäologischen Untersuchung in den gefundenen phönizischen Kunst- und Gebrauchsgegenständen niederschlägt.


4. Historische Evidenz

Die deuteronomistische Beurteilung in 1Kön 16,29-33 spiegelt das späte Ahab-Bild der deuteronomistischen Theologie wider, die den König nach dem für sie zentralen Kriterium der Kultpolitik negativ beurteilt. Frühere Schichten der Ahab-Erzählungen bieten dagegen ein wesentlich positiveres Bild des Königs. In ihnen wird der Vorwurf, Ahab habe Jahwe verlassen, noch nicht geäußert. Vielmehr weist die Benennung seiner Kinder darauf hin, dass der Jahwe-Kult für Ahab der Hauptkult blieb, da alle drei Kinder Jahwe-haltige Namen tragen (Ahasja, Joram und Atalja). Archäologisch haben sich die in 1Kön 16,29-33 erwähnten Tempelbaumaßnahmen nicht nachweisen lassen. Doch auch wenn sich in Stratum I und II der Grabungen in Samaria keine Spuren von Tempelgebäuden fanden, ist anzunehmen, dass in der Hauptstadt des Reiches Tempelanlagen existierten. Archäologisch nachgewiesen werden konnten dagegen mehrere Gegenstände, die die phönizischen Kontakte Ahabs dokumentieren (Keramiken und Elfenbeinschnitzereien).
Wie die Elfenbeinschnitzereien, so weist auch die Truppenstärke, mit der Ahab an der antiassyrischen Koalition 853 v. Chr. teilnahm, auf den wirtschaftlichen Aufschwung, den Israel während der Regierungszeit (Omris und) Ahabs erlebte. Teil dieses wirtschaftlichen Aufschwungs war neben dem Warenhandel die Ausbeutung der ostjordanischen Gebiete. Das von seinem Vater Omri eroberte Moab blieb unter Ahab weiterhin von Israel abhängig. Die in der Mescha-Inschrift erwähnte Bedrängung Moabs (Z.5f.), deutet nicht nur auf eine militärische Aktion Omris gegen Moab, sondern auf eine Ausbeutung des Landes (vgl. den in 2Kön 3,4 erwähnten Tribut).
Neben der Ausweitung des Herrschaftsgebiets in das Ostjordanland kam es zur Zeit Ahabs zur Annäherung an den südlichen Bruderstaat Juda. Die Hochzeit des Thronfolgers Joram von Juda mit der Tochter Ahabs ist als öffentliches Zeichen Teil dieses Annäherungsprozesses. Dabei legt die Erzählung in 1Kön 22 nahe, Israel als den dominierenden Part dieses Verhältnisses zu sehen.
Ahabs Politik zielte – in Fortsetzung der Politik seines Vaters – auf eine Integration Israels in die syro-palästinische Staatenwelt. Dieses bedingte auch, dass er tolerant gegenüber kanaanäischen Kulten war, auch wenn er selber dem Glauben seiner Väter treu geblieben ist. Die Kriterien, nach denen er von den Deuteronomisten beurteilt wurde, waren zu seiner Zeit noch nicht bekannt und dementsprechend auch noch nicht gültig. Mit der Benennung seiner Kinder dokumentiert Ahab seine Verbundenheit zum Gott Israels. Gerade die Namensgebung zeigt, dass Jahwe als Familien- und Dynastiegottheit verstanden wurde. Dass Ahab neben dem Jahwekult auch kanaanäische Kulte förderte, spricht im Kontext eines multireligiösen Staates für eine ausgleichende Religionspolitik.
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Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel
  • Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Tübingen 1957-1965
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007
  • Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Freiburg i.Br. 1993-2001
  • Theologische Realenzyklopädie, Berlin / New York 1977-2004
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
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Abbildungsverzeichnis


  • Abb. 1 Jahwe erweist sich vor Ahab als wahrer Gott (1Kön 18); Holbein (16. Jh.)
  • Abb. 2 Isebel stiftet die Ermordung Nabots an; Wenzelsbibel (14. Jh.)
  • Abb. 3 Karte Samaria und Jesreel (© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
  • Abb. 4 Mauer des Palastes von Samaria (© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
  • Abb. 5 Elfenbeinschnitzereien zeugen von dem Wohlstand und dem phönizischen Einfluss in Samaria (© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Der Text der Merenptah-Stele






Der Text der Merenptah-Stele, die auch unter der Bezeichnung Israel-Stele bekannt ist, lag in zwei Ausführungen vor. Einerseits als ausführliche Inschrift in Karnak und andererseits in kürzererProsafassung auf der freistehenden Merenptah-Stele in Theben-West.
Flinders Petrie fand die schwarze Granitstele 1896 in den Ruinen des Totentempels vonMerenptah. Sie steht heute unter der Inventar-Nr. CG 34025 im ägyptischen Museum in Kairo. Er selbst sagte zu seinem Fund: „Diese Stele wird bekannter sein als alles andere, was ich zuvor gefunden habe”.
Von der Inschrift in Karnak liegen zwei Bruchstücke vor, die sich im „Cachette-Hof” im großenTempel des Amun nördlich des siebten Pylons befanden. Den Inhalt der vielgenannten Stele hatte Merenptah am 3. Schemu III (19. Apriljul./ 8. Aprilgreg.)[A 1] 1208 v. Chr. in seinem fünften Regierungsjahr verfasst.

Inhaltsverzeichnis
  [Verbergen] 
  • 1 Vorgeschichte der Merenptah-Stele
  • 2 Die Merenptah-Stele
    • 2.1 Inhalt
    • 2.2 Die Erwähnung Israels
  • 3 Siehe auch
  • 4 Literatur
  • 5 Weblinks
  • 6 Anmerkungen
  • 7 Einzelnachweise
Vorgeschichte der Merenptah-Stele [Bearbeiten]

Die Merneptah-Stele (JE 31408) im Ägyptischen Museum in Kairo.

Die Stele ist 310 cm hoch, 160 cm breit und 32 cm dick. Ursprünglich war sie für den Totentempel des Amenophis III. aus der 18. Dynastie bestimmt. Die Vorderseite enthält einen ausführlichen Bericht über die geleisteten Bautätigkeiten von Amenophis III. in Theben-West, Soleb, Luxor und Karnak. In der Amarna-Zeit wurde der Text fast gänzlich ausgehämmert und von Sethos I., zweiter König der 19. Dynastie, als „Denkmal für seinen Vater Amun” restauriert. Auf der Vorder- wie Rückseite ist eine Doppelszene mit dem stehenden Gott Amun-Re zu sehen.
Auf dem Recto überreicht Amenophis III. ihm Wein. Das Verso zeigt den König zweimal beim Empfang des Siegesschwertes („Chepesch-Schwert”); er wird dabei von Chons und Mut begleitet. Amun-Re kommentiert die Szene mit den Worten: „Nimm dir das Chepesch-Schwert zum Sieg über alle Fremdländer”.[1] Merenptah ließ die Stele, die hinter den Memnonkolossen in Theben-West stand, zu sich bringen, um die Rückseite zusätzlich zu beschriften.

Die Merenptah-Stele [Bearbeiten]

Inhalt [Bearbeiten]

Merenptah musste sich gegen den Angriff der Lebu (Libyen) behaupten, der zusammen mit weiteren libyschen Stämmen und den Seevölkern erfolgte. In der Siegesinschrift von Karnak werden die Verbündeten genannt: Turiša, Šekeleša, Luka, Šardana und Aqi-waša. Im Karnaktext sind die genauen Anmarschwege, Schlachtdauer, Opferzahlen und eine Beuteliste Inhalt Merenptahs Siegesberichts.
In der Kriegsbeschreibung auf der Stele vermied es Merenptah, die detaillierten Ausführungen nochmals zu erwähnen; ihm kam es hauptsächlich auf die Hervorhebung seiner Person als Begünstigter der Götter an. Die Stele hat damit den Charakter einer Dankesrede an die Götter für den Merenptah beschiedenen Sieg.

Text der Stele (Flinders Petrie, Six Temples at Thebes, London (1897), Tafel 14)
„3 Er (Merenptah) ist Schu, der das Unwetter über Kemet verjagt hat,...der die Kriegslasten vom Nacken des Pat-Volkes vertrieben hatte und dem Rechit-Volk Atemluft gab,...der die verschlossenen Tore der Stadt Inbu-hedj geöffnet hat...6 Der elende Fürst, der Feind aus Lebu, floh mitten in der Nacht, ganz allein, ohne Feder auf dem Kopf, mit bloßen Füßen...14 Ein großes Wunder ist in Ta-meri (Ägypten) geschehen: Sein Angreifer ist als Gefangener in die Hände Ägyptens gegeben. Der Übeltäter Meria ist niedergeworfen. 15 DieGötterneunheit erklärt ihn wegen seiner Greueltaten für schuldig.[A 2]“
– Auszüge aus dem Text der Merenptah-Stele[2]
Die nachfolgenden Zeilen 17 bis 28 bilden den Schluss des Stelentextes und beschreiben Merenptahs Ansichten über sich selbst als Garanten eines dauerhaften Friedens. Der ägyptische König macht außerdem die damit verbundene Vormachtstellung Ägyptens über die angrenzenden Regionen deutlich. Einige Redewendungen dieser Stele erscheinen als Epitheta innerhalb der Titulatur auf der Amada-Stele[3] des Merenptah: „der Libyen eroberte (fch rbw)” und „Löwe gegen Charu (m3j r ḫ3rw)” sowie „starker Stier gegen Kusch (k3 nicht r Kš)” und „der das Land der Medja schlägt (sm3 t3-Mdj3jj.w)”.
„17 Seht, man setzt sich beim Starken nieder, und sofort gibt es Luft zum Leben...21 Große Freude ist in Ägypten entstanden; Jubelschrei ist in den Orten von Ta-meri ausgebrochen.22 Seht, wie angenehm ist es, sich hinzusetzen und zu plaudern. Man schreitet den Weg weit aus, ohne dass Furcht im Herzen der Menschen ist...25 Man geht am Tage singend umher. Es gibt kein Klagegeschrei von Leuten, die trauern...Re hat sich Ägypten erneut zugewandt.“
– Auszüge aus dem Text der Merenptah-Stele[4]


Die Erwähnung Israels [Bearbeiten]


Die Erwähnung eines Stammes Israel ist der älteste und einzige nichtbiblische Beleg für die Existenz des Namens Israel zu ramessidischer Zeit. Es sollte bis zum 9. Jahrhundert v. Chr. dauern, bis erstmals ein Staat mit Namen Haus Omri in assyrischen Inschriften und derMescha-Stele als Gleichsetzung mit dem Namen Israel belegt ist. Die Frage nach historischen Gemeinsamkeiten mit dem in der Merenptah-Stele beschriebenen Nomaden-Volk Israel und dem späteren Staat konnte bis heute nicht geklärt werden.

Israel-Segment in Hieroglyphen

Ysrjr   Israel-Segment (aus Zeile 27)
„26 ...Die Häuptlinge werfen sich nieder und rufen šalem.[A 3]...Tjehenu ist erobert. Hatti (Cheta) ist befriedet.[A 4] Kanaan (p3-Knˁn) ist mit allem Übel erbeutet. 27 Askalon (Jsqrn) ist herbeigeführt. Gezer (Q3-dj3-3r) ist gepackt.Januammu (yn-ˁm) ist zunichte gemacht. Israel (ysrjr).[A 5] ist verwüstet und hat kein Saatgut mehr. Chor (Ch3-3-r) ist zur Witwe von 28 Ta-meri geworden. Alle Länder sind insgesamt in Frieden.“




– Auszüge aus dem Text der Merenptah-Stele“[5]
Die Formulierung "verwüstet, ohne Saatgut" wird in ägyptischen Texten der Antike häufig bei unterlegenen Völkern verwendet. Mithin kennzeichnet diese Aussage damit den katastrophalen Zustand der wirtschaftlichen Situation. Mit dem Mangel an Saatgut ist eine Hungersnot für das folgende Jahr vorbestimmt, weshalb die so geschädigten Gegner keine Gefahr mehr für Ägypten darstellen.
Israel ist verwüstet und hat kein Saatgut mehr.


Siehe auch [Bearbeiten]
  • Schlacht bei Sais
  • Siegesbericht des Kamose
Literatur [Bearbeiten]
  • Otto Kaiser: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Bd. 1 - Alte Folge -, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1985
  • Thomas von der Way: Göttergericht und Heiliger Krieg im Alten Ägypten: Die Inschriften des Merenptah zum Libyerkrieg des Jahres 5, Heidelberger Orientverlag, Heidelberg 1992, ISBN 3-927552-06-2
  • Helmut Engel: Die Siegesstele des Merenptah. Kritischer Überblick über die verschiedenen Versuche historischer Auswertung des Schlussabschnitts, in: Biblica 60 (1979), S. 373-399
  • Karola Zibelius: Afrikanische Orts- und Völkernamen in hieroglyphischen und hieratischen Texten (BTAVO, B, Nr. 1), Reichert, Wiesbaden 1972, ISBN 3-920153-18-9
Weblinks [Bearbeiten]
 Commons: Merenptah Stele – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Ägyptische Hieroglyphen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Inschriftlicher Text der Merenptah-Stele (englisch)
Anmerkungen [Bearbeiten]
  1. ↑ Nach dem großen Karnak-Text (KRI IV, S. 1-2) und nach dem Fragment der Stele (KRI IV, S. 23) ist es der Tag, an welchem die Schlacht im Libyerkrieg stattfand und der Tag, der für die Israel-Stele und Athribis-Stele als Editionstag genannt ist.
  2. ↑ Wörtlich: adja: Ein richterlicher Entscheid lautet entweder Seine Aussage ist wahr (maa) oder Die Aussage ist falsch, das bedeutet:Er ist im Unrecht und damit schuldig.
  3. ↑ Geschrieben: š33rmˁ zuzüglich das Determinativ des Bittstellers. In der semitischen Sprache hauptsächlich Ausdruck für Frieden und Unversehrtheit; der hebräische Ausdruck Schalom war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, da sich die hebräische Sprache frühestens erst ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. als eigener Schrift-/Sprachzweig entwickelte.
  4. ↑ Von den Hethitern gingen keine Aggressionen gegen Ägypten aus. Mit dieser Formulierung spielt Merenptah auf seine veranlasste Getreide-Schiffslieferung für Hatti an, da die dortige Hungersnot Aufstände ausgelöst hatte und sich durch die Hilfe Ägyptens die Lage vorübergehend beruhigte; vgl. dazu auch die Karnak-Inschrift Zeile 24. Die von Merenptah vorgenommene Erwähnung der Hethiter stellt zugleich bis heute die jüngste und letzte Nennung des Reiches Hatti in ägyptischen Quellen dar, das unter Ramses II. den bedeutetenden Friedensvertrag mit Ägypten geschlossen hatte.
  5. ↑ Nicht mit Bergland, sondern mit Determinativ von Volk, Menschen (ohne gebietliche Grenzen mit festumrissenen Staatsgebilde; ähnlich den libyschen Volksstämmen).
  6. ↑ Im Originaltext ist der Vogel (eine Schwalbe) unter das t-Zeichen (ein Halbkreis) gesetzt, aber aus Gründen der Leserlichkeit wird der Vogel hier neben das t-Zeichen gestellt.
  7. ↑ Laut Flinders Petrie.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
  1. ↑ Ursula Kaplony-Heckel In: Otto Kaiser: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Bd. 1 - Alte Folge -, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1985, S. 545.
  2. ↑ Vgl. die vollständige Fassung von Ursula Kaplony-Heckel: Die Israel-Stele des Merenptah In: Otto Kaiser (Hrsgb.): Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Bd. 1 - Alte Folge -, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1985, S. 546-549.
  3. ↑ Vgl. KRI IV, S. 1-2.
  4. ↑ Vgl. die vollständige Fassung von Ursula Kaplony-Heckel: Die Israel-Stele des Merenptah In: Otto Kaiser (Hrsgb.): Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Bd. 1 - Alte Folge -, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1985, S. 550-551.
  5. ↑ Vgl. die vollständige Fassung von Ursula Kaplony-Heckel: Die Israel-Stele des Merenptah In: Otto Kaiser (Hrsgb.): Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Bd. 1 - Alte Folge -, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1985, S. 551-552.

Die andere Ausgabe über die Mescha-Stele


Die andere Ausgabe über die Mescha-Stele

Tomas Wagner
  • 1. Der Name Mescha
  • 2. Die Mescha-Stele
    • 2.1. Der Text der Stele
    • 2.2. Gattung des Textes
  • 3. Der moabitische König Mescha
  • 4. Das Verhältnis der Steleninschrift zu 2Kön 3
  • 5. Zum zeitgeschichtlichen Hintergrund der Stele
  • 6. Zur Datierung der Stele
  • Literaturverzeichnis
    • 1. Lexikonartikel
    • 2. Weitere Literatur
  • Abbildungsverzeichnis
Mescha ist ein moabitischer König (→ Moab), der der in der Mitte des 9. Jh.s regierte und im Alten Testament sowie auf zwei Inschriften erwähnt wird. Wichtig ist insbesondere die 1868 in → Dibonentdeckte Mescha-Stele. Sie bietet mit der Inschrift des Königs Mescha eines der frühesten und das umfangreichste Eigenzeugnis moabitischer Geschichte und ist zugleich einer der ersten außerbiblischen Belege für die Existenz Israels. In der Inschrift wird auch das Haus → Omrigenannt (Z. 4), das im 9. Jh. v. Chr. über vier Generationen hinweg in Israel herrschte. Außerdem ist die Erwähnung des Gottes Israels in Z. 12 – und zwar in der auch im Alten Testament geläufigen Form des Tetragramms – einer der ältesten Belege des Gottesnamens → Jhwh.

1. Der Name Mescha

Der Name מישׁע (moabitisch mš‘, griechisch Μωσα) wird von der Wurzelישׁע „helfen / retten“ abgeleitet. Dem Namen fehlt ein theophores Element.
Das Alten Testament kennt außer einem Gebiet dieses Namens, das auf der arabischen Halbinsel lag, sich aber nicht genau lokalisieren lässt (Gen 10,30), drei Personen, die Mescha heißen: 1) einen Sohn Kalebs (1Chr 2,42), 2) einen in Moab gezeugten Sohn des Benjaminiters Schaharajim (1Chr 8,9) und 3) einen moabitischen König (2Kön 3,4), der offensichtlich mit dem Verfasser der Steleninschrift identisch ist.


2. Die Mescha-Stele

Die Stele wurde am 19.8.1868 in Diban (biblisch Dibon) von dem Missionar F. Klein entdeckt. Sie ist aus schwarzem Basalt gefertigt, 1,10m hoch und 60-68cm breit.
Die Stele wurde von den Einheimischen durch Feuer in mehrere Einzelstücke zerbrochen. Das Interesse der Forschergruppe wurde, so die Deutung der Expeditionsleitung, als Hinweis darauf gewertet, dass in der Stele ein Schatz (Gold) verborgen sein sollte. Aufgrund eines zuvor von Ch. Clermont-Ganneau angefertigten Abklatsches konnten die zwei großen und 18 kleineren Einzelstücke später wieder zusammengesetzt, die Lücken anhand des Abklatsches ergänzt, und so der Text der Stele zu ungefähr 80% lesbar gemacht werden. Die Folgen des Zerbrechens sind deutlich sichtbar. Die Stele wird heute im Louvre, Paris aufbewahrt, eine Kopie befindet sich im Vorderasiatischen Museum, Berlin.
Die Stele bietet in 34 Zeilen eine Inschrift, die als frühestes Dokument moabitischer Sprache anzusehen ist. Die Schrift ist regelmäßig, zwischen den Worten stehen Punkte, so dass die Inschrift gut zu lesen ist. Der Text zeigt, dass das Moabitische dem Hebräischen sehr nahe verwandt ist.
Eine weitere Inschrift, die Mescha nennt, tauchte 1958 in Kerak auf (Näheres → Kir Moab).

2.1. Der Text der Stele

1 Ich (bin) Mescha, Sohn des kmš[jt], König von Moab, der 2 Dibonite. Mein Vater war König über Moab dreißig Jahre, und ich wurde König 3 nach meinem Vater. Und ich machte dieses Höhen(heiligtum) für → Kemosch[KAI Kamosch] in Qericho als Zeichen 4 der Rettung, denn er errettete mich vor allen Angreifern(?) und ließ mich triumphieren über alle meine Gegner.
Omri 5 war König von Israel, und er bedrängte Moab lange Zeit, denn Kemosch zürnte seinem Lande. 6 Und es folgte ihm sein Sohn. Und er sprach: Ich will Moab bedrängen. In meinen Tagen sprach er [so], 7 aber ich triumphierte über ihn und sein Haus. Und Israel ist für immer zu Grunde gegangen. Und es hatte sich Omri des ganzen 8 Gebietes von Mahdeba bemächtigt und er wohnte darin während seiner Tage und der Hälfte der Tage seiner Söhne, vierzig Jahre. Aber es 9 wohnte Kemosch darin während meiner Tage. Und ich baute Baal-Meon (wieder auf) und errichtete eine Zisterne darin. Und ich baute Kirjathon (wieder auf).
Und die Leute von Gad wohnten seit jeher im Lande von Aṭaroth und der König von Israel hatte Aṭaroth 10 für sich gebaut. 11 Ich griff die Stadt an und nahm sie ein. Und ich tötete alles Volk 12 der Stadt als Darbringung für Kemosch und für Moab. Und ich brachte von dort den Altar ihres dwd und ich 13 schleppte ihn vor Kemosch in Qerejoth. Und ich ließ dort wohnen die Leute von Saron und die Leute 14 von mkrt.
Und Kemosch sprach zu mir: Geh, nimm Nebo (im Kampf) gegen Israel. Da15 zog ich bei Nacht los und kämpfte gegen es von Tagesanbruch bis Mittag. Und ich 16 nahm es ein und tötete alles: 7000 Männer, Klienten, Frauen, [Klien]tinnen 17 und Sklavinnen, denn ich hatte es dem Aschtar-Kemosch (durch Bann) geweiht. Und ich nahm von dort die [Gerät]e (?)18 Jahwes und schleppte sie vor Kemosch.
Und der König von Israel hatte Jachas gebaut 19 und lagerte darin während seines Feldzuges gegen mich. Da vertrieb ihn Kemosch vor mir und 20 ich holte aus Moab 200 Mann, alle seine Anführer. Und ich brachte sie nach Jachas und nahm es ein, 21 um es Dibon anzugliedern.
Ich habe Qericho gebaut, die Mauer der Parks und die Mauer 22 der Akropolis. Und ich habe seine Tore gebaut und ich habe seine Türme gebaut. Und ich 23 habe den Königspalast errichtet und machte dieUmfassungsmauer des Becken[s für die Que]llen inmitten 24 der Stadt. Aber eine Zisterne gab es nicht inmitten der Stadt, in Qericho, sondern ich sprach zu allem Volk: Macht 25 euch jeder eine Zisterne in seinem Hause! Und ich habe die Gruben hauen lassen für Qericho durch Gefangene 26 Israels.
Ich habe Aroer gebaut und machte die Straße am Arnon. 27 Ich habe Beth-Bamoth wieder errichtet, denn es war zerstört. Ich habe BeṢer wieder gebaut, denn es lag in Trümmern, 28 [mit] 50 [Ma]nn aus Dibon, denn (die Leute von) ganz Dibon sind (meine) Untertanen. Und ich regierte 29 [über ] 100 in den Städten, die ich dem Lande angegliedert habe. Und ich baute 30 [Mahde]ba und Beth-Diblathon und Beth-Baal-Meon (wieder auf) und trug davon die … 31[…] Kleinvieh des Landes. Und (was) Chawronan (anlangt), (so) wohnte darin 32 [… Und] es sprach Kemosch zu mir: Steige hinab, kämpfe gegen Chawronan! Da stieg ich [hinab und 33 kämpfte gegen die Stadt und nahm sie ein und] Kemosch [wohnte] in ihr in meinen Tagen. Und … von dort ..[…] 34 […]št šdq und ic[h …
(Übersetzung des Textes aus KAI II, 168f.; Transkriptionen verändert nach den Wibilex-Richtlinien)
Vgl. Text Westsemitische Inschriften.

2.2. Gattung des Textes

Es handelt sich um eine königliche Bauinschrift, die Mescha anlässlich der Einweihung eines Heiligtums für → Kemosch in Qericho hat aufstellen lassen (Z. 3f). Wie andere altorientalische Königsinschriften ist sie in der 1. Person Singular verfasst und beginnt mit einer Selbstvorstellung des Königs. Gewidmet ist sie dem moabitischen Nationalgott Kemosch. Die Inschrift dient der religiösen und politischen Propaganda. Meschas Taten werden glorifiziert, seine Erfolg jedoch auf das wiedergekehrte Wohlwollen Kemoschs zurückgeführt. Als Aufzählung seiner Taten diente die Inschrift dem Gedächtnis an die Herrschaft Meschas.


3. Der moabitische König Mescha

Gemäß dem Text der Stele war Mescha rechtmäßiger Thronfolger seines Vaters kmš[jt]. Mescha herrschte in der Mitte des 9. Jh.s v. Chr. – die genauen Daten sind unbekannt – über ein Gebiet östlich des Toten Meeres, nördlich von Edom. Im Norden grenzte sein Reich nach eigener Aussage an das Gebiet des Stammes Gad. Im Osten lief das Gebiet in die arabische Wüste aus. Residenzstadt war der Fundort der Stele Dibon, das an der Königsstraße lag. Gemäß der von ihm verfassten Inschrift übernahm Mescha die Königsherrschaft von seinem Vater in einer Zeit, in der Moab seit längerem von Israel abhängig war.
Unter Mescha konnte sich Moab von der israelitischen Herrschaft befreien und im Gegenzug die israelitischen Niederlassungen Ataroth, Nebo und Jachas einnehmen. Aus Ataroth und Nebo raubte Mescha Kultgeräte des dortigen Jahwe-Kultes und schaffte sie in den Tempel seines Gottes Kemosch. Die bis Z. 31 erwähnten Städte liegen durchweg im ursprünglich moabtischen Gebiet, das sich zwischen Sered und → Arnon am östlichen Rand des Toten Meeres erstreckt, oder nördlich des Arnons. Ab Z. 32 wird eine militärische Aktion im Südgebiet angedeutet, deren voller Umfang aufgrund des Zustandes der Stele (die unteren Zeilen sind beschädigt bzw. fehlen) nicht mehr nachvollziehbar ist. Die Formulierung ‚steig hinab’ deutet auf einen Zug in die Südgebiete.

Nach der Befreiung Moabs baute Mescha sein Reich durch verschiedene Maßnahmen aus. So berichtet er in der Steleninschrift von Restaurations- und Ausbaumaßnahmen in Qericho, Aroer, Beth-Bamoth, BeṢer, Mahdeba, Beth-Diblathan und Beth-Baal-Meon, die dem Ausbau des Wegenetzes und der Verteidigung der Städte vor feindlichen Angriffen (Stadtmauern, Zisterne) dienten.


4. Das Verhältnis der Steleninschrift zu 2Kön 3

Mehrfach wurde in der Forschung der Versuch unternommen, die Steleninschrift mit dem biblischen Bericht über das Ende der israelitischen Herrschaft über Moab zu vergleichen.
Nach 2Kön 3 war Moab Vasall der Omriden und musste als Tributzahlung Wolle entrichten. Nach dem Tod → Ahabs stellte der moabitische Herrscher die Tributzahlung ein. Daraufhin zog eine israelitisch-judäisch-edomitische Koalition unter Führung von Ahabs Nachfolger → Joram gegen Moab, und zwar um das Südende des Toten Meeres herum. Nach 2Kön 3,10 ging dem Koalitionsheer das Wasser aus. Das folgende Prophetenwort verheißt der Koalition Wasser und den Sieg gegen die Moabiter (2Kön 3,17-20). Diesen Sieg errang die Koalition am folgenden Tag. Nach der biblischen Darstellung zerstörte man große Teile des moabitischen Kulturlandes, uur Kir-Heres blieb übrig (→ Kir-Moab), wurde jedoch belagert. In dieser Situation soll der Mescha seinen ältesten Sohn, den Thronfolger, auf der Stadtmauer als Brandopfer dargebracht haben. Dieses Opfer führte dazu, dass ein Zorn über Israel entbrannte (s.u.), der den Abzug der israelitischen Truppen und die Aufgabe des eroberten Gebiets bewirkte (2Kön 3,27).
Zwar zeigen sowohl die Inschrift der Mescha-Stele, als auch der biblische Bericht eine zeitweise Annexion des moabitischen Gebietes durch Israel (Haus Omri), die unter Mescha ein Ende fand, doch ist sehr deutlich, dass die beiden Berichte unterschiedliche Gegebenheiten schildern. Die in der Mescha-Inschrift genannten Städte / Gebiete liegen alle (bis auf die in den Z. 32-34 genannte Stadt Chawronan) im Norden Moabs bzw. im Süd-Osten Israels (Mahdeba, Baal-Meon, Kirjathon, Aaroth, Nebo, Jahao, Aroer, Beth-Bamoth, Beoer, Beth-Diblathon). 2Kön 3 berichtet hingegen von Kriegsereignissen im Süden Moabs (Aufzug von Edom her). Der Kriegszug der Koalition von Süden her scheint daher eine Reaktion auf die moabitische Okkupation der Nordgebiete darzustellen.
Neben den geographischen fällt ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Texten auf: Der Sieg der Moabiter wird in beiden Texten jeweils theologisch begründet. Gemäß der Inschrift wendete sich Kemosch wieder seinem Königshaus zu und ließ seinen Zorn abklingen. Dieses führte dazu, dass Mescha die genannten israelitischen Städte erobern konnte. Nach 2Kön 3,27ist es die Opferung des moabitischen Thronfolgers, die zum Entfachen eines großen Zorns (קצף־גדול) führte und sich als Schrecken an den israelitischen, judäischen und edomitischen Truppen auswirkte. Dieser trieb die Truppen schließlich zur Flucht.
Der Urheber des Zorns bleibt im biblischen Bericht unerwähnt. קצף־גדול(großer Zorn) erscheint innerhalb des Alten Testaments an drei weiteren Stellen (Dtn 29,27; Jer 21,5; Jer 32,37) und geht dort jeweils von Jahwe aus. Das Fehlen des Urhebers in 2Kön 3,27 deutet darauf hin, dass der Verfasser die Überlegenheit eines anderen Gottes über Jahwe nicht explizit ausdrücken wollte und deswegen den Urheber nicht angegeben hat.
Die in der Steleninschrift und in 2Kön 3 geschilderten Ereignisse fallen offensichtlich nicht zusammen. Daraus resultiert natürlich die Frage, in welchem Verhältnis die beiden Ereignisse zueinander stehen. Die in 2Kön 3,5 verwendete Formel über den Abfall des moabitischen Königs von Israel gibt keinen eindeutigen Hinweis über die Art und Weise, in der der König von Moab das Vasallenverhältnis zu Israel beendete. ויפשׁע „und er fiel ab“ wird im Alten Testament insgesamt nur viermal verwendet (außer in 2Kön 3,5 noch in 2Kön 1,1; 2Kön 8,22 und 2Chr 21,10). Der Abfall in 2Kön 3,5steht im Zusammenhang mit der Tributzahlung Moabs an Israel (2Kön 3,4), so dass die Annahme, die Strafaktion Israels gegen Moab geschehe aufgrund der Einstellung der Tributleistungen, nahe liegt. Die Tatsache aber, dass die israelitisch-judäisch-edomitischen Truppen den Süden Moabs als Einfallgebiet nutzen, deutet darauf hin, dass der Abfall Moabs nicht nur aus der Einstellung der Tributleistungen, sondern vielmehr in der Okkupation israelitischer Städte / israelitischen Gebiets im Norden des Reiches bestanden hat. Da Israel mit der Einnahme des Nebo einen wichtigen Stützpunkt im Ostjordanland verloren hatte, wäre ein Angriff von Norden her schwierig gewesen. So ist die Entscheidung, durch Edom nach Moab hinaufzuziehen, als Hinweis zu deuten, die Erzählung in 2Kön 3 schließe zeitlich an die Eroberung Nebos an. Der in den Z. 32-34 erwähnte Zug Meschas in den Süden Moabs hingegen könnte mit den in 2Kön 3 erwähnten Kriegereignissen zusammenfallen bzw. eine Reaktion auf den Einfall der Koalitionstruppen in den südlichen Teil Moabs sein.
Zu einer früheren militärischen Konfrontation zwischen Israel und Moab könnte es nach Z.18f. der Stelen-Inschrift bei Jachas gekommen sein. Die Vertreibung der Israeliten aus Jachas und die Einnahme der Stadt durch den König von Moab könnte ein entscheidender Faktor bei der Bildung der Koalition zwischen Israel, Juda und Edom gewesen sein. Die Okkupation süd-ost-israelitischen Gebiets wird die Befürchtungen auf eine Expansion der Moabiter (auch) in die Südgebiete genährt haben.


5. Zum zeitgeschichtlichen Hintergrund der Stele

Die Mescha-Stele ist ein Zeugnis des Machtverlustes Israels in der Zeit nach dem Tode Ahabs, wie er in 2Kön 1,1; 2Kön 3,5 berichtet wird. Dieser Machtverlust Israels lässt sich nicht nur an den Gebietsverlusten im Ostjordanland nachvollziehen, sondern auch an der Tatsache, dass Israel seine noch 853 v. Chr. in den Annalen → Salmanassars III. (→ Schlacht bei Qarqar) dokumentierte herausragende Stellung innerhalb der syro-palästinischen Staatenwelt verlor. Wie die Steleninschrift berichtet, konnte Moab sogar mehrere Siedlungen nördlich des eigenen Stammlandes erobern. Unklar bleibt mit der Steleninschrift jedoch, ob Moab sich als unabhängiger Staat etablieren konnte oder bereits kurze Zeit nach der Befreiung von Israel in Abhängigkeit von Damaskus geraten ist. Die breit angelegten Bautätigkeiten innerhalb des gesamten moabitischen Gebietes lassen jedoch vermuten, dass Moab über mehrere Jahre hinweg unabhängig war, da die finanziellen Möglichkeiten für die Baumaßnahmen gegeben waren.


6. Zur Datierung der Stele

Aufgrund der in beiden Texten genannten Herrschaftsverhältnisse und Könige ist eine Entstehungszeit der Inschrift in den Regierungsjahren → Jorams von Israel (852-841 v. Chr.; Datierung der Regierungszeit Jorams nach Donner, 1986, 505) wahrscheinlich. Die Steleninschrift selber gibt eine Besatzungszeit von insgesamt 40 Jahren an. Diese wirkt stilisiert und ist daher für die Datierung der Steleninschrift kaum verwendbar. Von höherem Gewicht ist die Erwähnung, Moab hätte sich unter den Nachfolgern Omris befreien können. Nach 2Kön 1; 2Kön 3,5 geschah dieses zur Zeit Jorams, was sich mit den in 2Kön 3 geschilderten Kriegsereignissen vereinbaren lässt. Da die Inschrift der Mescha-Stele sowohl über Bautätigkeiten im Norden, als auch vom Kriegszug im Süden des Landes berichtet, ist anzunehmen, dass die Inschrift erst gegen Ende der Regierungszeit Meschas abgefasst wurde.


Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
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Abbildungsverzeichnis
  • Abb. 1 Mescha-Stele; aus: H. Gressmann, Altorientalische Bilder zum Alten Testament, Berlin / Leipzig 2. Aufl. 1927, Tf. LIII
  • Abb. 2 Landkarte mit moabitischen Siedlungen (© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)